Die Steuerbelastung in Europa fällt für viele Arbeitnehmer höher aus, als es der auf den ersten Blick sichtbare Einkommensteuersatz vermuten lässt. Denn die Einkommensteuer ist nur ein Teil der Rechnung. Arbeitnehmer zahlen häufig zusätzlich Sozialversicherungsbeiträge, während Arbeitgeber weitere Abgaben auf das Bruttogehalt leisten müssen. Entscheidend ist: Diese Belastungen werden auf unterschiedlichen Bemessungsgrundlagen berechnet. Ein Spitzensteuersatz von 40 % bedeutet daher weder, dass exakt 40 % des Gehalts an den Staat gehen, noch dass 40 % der gesamten Arbeitskosten eines Unternehmens steuerlich belastet werden.
Haftungsausschluss
Die in diesem Beitrag bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich Informations- und Analysezwecken und stellen weder eine steuerliche, rechtliche, finanzielle noch eine Anlageberatung dar. Steuersysteme sind komplex und unterliegen fortlaufenden gesetzlichen Änderungen – einschließlich Reformen im Bereich der Unternehmensbesteuerung sowie internationaler Mindestbesteuerungsregime. Sämtliche Daten basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen (unter anderem Eurostat und Veröffentlichungen der Europäischen Kommission) und entsprechen dem zum.Zeitpunkt der Veröffentlichung verfügbaren Stand. Einzelne Angaben können vorläufig sein und späteren Revisionen unterliegen. Leserinnen und Leser sollten vor steuerlichen, standortbezogenen oder untern hmerischen Entscheidungen qualifizierte Fachleute konsultieren.
Ein umfassenderer Indikator ist der sogenannte Tax Wedge, auf Deutsch meist als Steuer- und Abgabenkeil bezeichnet. Die OECD definiert ihn als Differenz zwischen den gesamten Arbeitskosten eines Arbeitgebers und dem Nettolohn des Arbeitnehmers. Berücksichtigt werden dabei die persönliche Einkommensteuer sowie die Sozialversicherungsbeiträge von Arbeitnehmer und Arbeitgeber, abzüglich relevanter Geldleistungen.
2025 lag der durchschnittliche Tax Wedge für einen alleinstehenden Arbeitnehmer ohne Kinder mit Durchschnittsverdienst im OECD-Raum bei 35,1 %. In Belgien betrug er 52,5 %, in Deutschland 49,3 %, in Frankreich 47,2 % und in der Schweiz 23,0 %. OECD Taxing Wages 2026
Das bedeutet allerdings nicht, dass einem belgischen Arbeitnehmer 52,5 % seines Bruttogehalts abgezogen wurden. In die Berechnung fließen auch Arbeitgeberbeiträge ein. Genau deshalb kann der Steuer- und Abgabenkeil deutlich höher ausfallen als die Abzüge, die Arbeitnehmer tatsächlich auf ihrer Gehaltsabrechnung sehen.
| Wenn Sie wissen möchten … | Entscheidend ist … |
|---|---|
| Welcher Steuersatz auf den nächsten Teil des zu versteuernden Einkommens anfällt | Grenzsteuersatz |
| Welcher Anteil des Einkommens insgesamt tatsächlich als Einkommensteuer gezahlt wird | Effektiver Steuersatz |
| Wie groß die Differenz zwischen gesamten Arbeitskosten und Nettolohn ist | Tax Wedge / Steuer- und Abgabenkeil |
| Wie viele Steuern ein Staat im Verhältnis zu seiner Wirtschaftsleistung einnimmt | Steuerquote gemessen am BIP |
| Welche Steuer beim Konsum steuerpflichtiger Waren und Dienstleistungen anfällt | Mehrwertsteuersatz |
Die praktische Faustregel lautet daher: Wer Steuern in Europa miteinander vergleicht, sollte nicht nur fragen: „Wie hoch ist der Steuersatz?“ Entscheidend ist vielmehr: Welcher Steuersatz, auf welche Bemessungsgrundlage und ausgehend von welchem Betrag?
Besonders wichtig wird diese Unterscheidung beim Vergleich zwischen dem öffentlich sichtbaren Grenzsteuersatz und der tatsächlichen effektiven Steuerbelastung.
Der Spitzensteuersatz ist nicht das, was Sie tatsächlich zahlen
Ein hoher nomineller Einkommensteuersatz wirkt schnell abschreckend. Für die tatsächliche Steuerbelastung eines Arbeitnehmers sagt er jedoch deutlich weniger aus, als viele vermuten.
In einem progressiven Steuersystem handelt es sich beim höchsten Satz normalerweise um einen Grenzsteuersatz. Er gilt lediglich für den Teil des zu versteuernden Einkommens, der innerhalb der höchsten Steuerstufe liegt – nicht für das gesamte Einkommen.
Grenzsteuersatz vs. effektiver Einkommensteuersatz
Der Grenzsteuersatz bezeichnet den Steuersatz, der auf den jeweils nächsten Teil des steuerpflichtigen Einkommens angewendet wird.
Der effektive Einkommensteuersatz zeigt dagegen, wie viel Einkommensteuer insgesamt im Verhältnis zur zugrunde gelegten Einkommensbasis gezahlt wird.
Nehmen wir ein stark vereinfachtes Steuersystem:
| Zu versteuerndes Einkommen | Steuersatz |
|---|---|
| Erste 20.000 € | 0 % |
| 20.001–50.000 € | 20 % |
| Über 50.000 € | 40 % |
Eine Person mit 70.000 € zu versteuerndem Einkommen würde keineswegs auf die gesamten 70.000 € einen Steuersatz von 40 % zahlen.
Die Berechnung sähe vielmehr so aus:
- erste 20.000 €: 0 €
- nächste 30.000 € zu 20 %: 6.000 €
- verbleibende 20.000 € zu 40 %: 8.000 €
Die gesamte Einkommensteuer beträgt damit 14.000 €. Daraus ergibt sich ein effektiver Einkommensteuersatz von:
14.000 € ÷ 70.000 € = 20 %
Der Steuerpflichtige befindet sich damit zwar in einer Steuerstufe mit einem Grenzsteuersatz von 40 %, zahlt bezogen auf sein gesamtes Einkommen aber effektiv lediglich 20 % Einkommensteuer.
Genau deshalb sind Tabellen mit den höchsten Einkommensteuersätzen in Europa durchaus nützlich, wenn man wissen möchte, wie besonders hohe Einkommen besteuert werden. Für die Einschätzung des tatsächlichen Nettogehalts sind sie allerdings nur bedingt geeignet. Bei internationalen Vergleichen kommt hinzu, dass ein veröffentlichter „Spitzensteuersatz“ in einem Land regionale oder kommunale Einkommensteuern enthalten kann, während diese in einem anderen Land nicht berücksichtigt werden.
Auch die OECD unterscheidet zwischen durchschnittlichen und marginalen Kennzahlen der Besteuerung von Arbeit. Durchschnittswerte beschreiben die Steuerbelastung bei einem bestimmten Einkommensniveau. Marginalwerte zeigen dagegen, wie sich Steuern und staatliche Leistungen verändern, wenn das Einkommen steigt. OECD, Taxing Wages 2026
Progressive Steuerstufen verändern das Ergebnis
Wer in eine höhere Steuerstufe aufsteigt, muss normalerweise nicht plötzlich sein gesamtes Einkommen mit dem höheren Steuersatz versteuern.
Beginnt die 40-Prozent-Stufe beispielsweise bei 50.000 € und steigt das zu versteuernde Einkommen von 49.000 € auf 51.000 €, unterliegt in diesem vereinfachten Beispiel lediglich der Betrag oberhalb des Schwellenwerts dem höheren Steuersatz.
Die tatsächlichen Steuersysteme sind selbstverständlich komplexer. Freibeträge, Steuervergünstigungen, Steuergutschriften und Sozialversicherungsregeln können sich ebenfalls mit steigendem Einkommen verändern. Dadurch kann sich die Gesamtbelastung auf eine Weise verschieben, die aus dem gesetzlichen Steuersatz allein kaum ersichtlich ist.
Der veröffentlichte Spitzen- oder Grenzsteuersatz ist daher nur ein Puzzleteil. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Der nächste Faktor sind die Belastungen, die Arbeitnehmer zusätzlich zur Einkommensteuer tragen – insbesondere Sozialversicherungsbeiträge und andere lohnbezogene Abgaben.
Die Einkommensteuer ist nur ein Teil der Belastung
Die Einkommensteuer erklärt nur einen Teil der Differenz zwischen Bruttogehalt und Nettolohn. Arbeitnehmer zahlen häufig zusätzlich Sozialversicherungsbeiträge, während Arbeitgeber weitere Lohnnebenkosten oberhalb des Bruttogehalts tragen.
Beide Seiten gehören zur Gesamtbelastung des Faktors Arbeit. Dennoch darf man sie nicht miteinander gleichsetzen.
Arbeitnehmerbeiträge reduzieren den Nettolohn
Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitnehmer werden üblicherweise direkt über die Lohnabrechnung vom Bruttogehalt einbehalten. Je nach Land finanzieren sie unter anderem Rentenversicherung, Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung oder andere Bereiche des Sozialversicherungssystems.
Die Regeln unterscheiden sich innerhalb Europas erheblich. Manche Beiträge steigen nur bis zu einer bestimmten Beitragsbemessungsgrenze, andere sind nicht gedeckelt. Hinzu kommt, dass einzelne Versicherungszweige unterschiedliche Beitragssätze, Schwellenwerte und Bemessungsgrundlagen haben können.
Unter dem Strich bedeutet das: Zwei Länder mit ähnlichen Einkommensteuersätzen können dennoch deutlich unterschiedliche Nettolöhne hervorbringen. Selbst bei identischem Bruttogehalt kann die Differenz erheblich sein, sobald Sozialversicherungsbeiträge berücksichtigt werden.
Die OECD bildet diese Belastung mit der sogenannten Personal Average Tax Rate ab. Sie umfasst die persönliche Einkommensteuer und die Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung im Verhältnis zum Bruttolohn. Für einen alleinstehenden Arbeitnehmer ohne Kinder mit Durchschnittsverdienst lag dieser Wert im OECD-Raum 2025 durchschnittlich bei 25,1 %. OECD, Taxing Wages 2026
Diese Kennzahl ist ein standardisiertes Instrument für internationale Vergleiche und kein exaktes Abbild jeder einzelnen Gehaltsabrechnung. Dennoch vermittelt sie ein wesentlich realistischeres Bild der Differenz zwischen Brutto- und Nettolohn als der nominelle Einkommensteuersatz allein.
Arbeitgeberbeiträge kommen zum Bruttogehalt hinzu
Sozialversicherungsbeiträge des Arbeitgebers stehen auf der anderen Seite der Lohnabrechnung.
Sie werden in der Regel nicht vom ausgewiesenen Bruttogehalt des Arbeitnehmers abgezogen, sondern stellen zusätzliche Kosten für den Arbeitgeber dar. Ein Beschäftigter mit einem Jahresbruttogehalt von 50.000 € kann ein Unternehmen daher deutlich mehr als 50.000 € kosten, sobald Arbeitgeberbeiträge und weitere lohnbezogene Abgaben berücksichtigt werden.
Die OECD verwendet diesen umfassenderen Begriff der Arbeitskosten bei der Berechnung des Tax Wedge. Dabei werden die mit einer Beschäftigung verbundenen Steuern und Pflichtbeiträge den gesamten Arbeitskosten des Arbeitgebers gegenübergestellt, wobei relevante Geldleistungen berücksichtigt werden. OECD, Taxing Wages 2026 — Overview
Und genau hier liegt der entscheidende Punkt: Der Tax Wedge ist nicht einfach der Prozentsatz, der vom Bruttogehalt eines Arbeitnehmers abgezogen wird. Ein Teil der gesamten Belastung liegt auf Arbeitgeberseite und taucht auf der Gehaltsabrechnung des Beschäftigten überhaupt nicht als Abzug auf.
Ein Beispiel mit 100 € Arbeitskosten
Ein vereinfachtes Rechenbeispiel macht den Unterschied deutlich.
Angenommen, ein Arbeitnehmer verursacht für ein Unternehmen Gesamtarbeitskosten von 100 €.
| Von 100 € gesamten Arbeitskosten | Betrag |
|---|---|
| Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung | 15 € |
| Bruttogehalt | 85 € |
| Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung | 8 € |
| Persönliche Einkommensteuer | 17 € |
| Nettolohn | 60 € |
Die Zahlen dienen ausschließlich der Veranschaulichung und entsprechen keinem konkreten europäischen Steuersystem.
Aus Sicht des Arbeitnehmers werden vom Bruttogehalt von 85 € insgesamt 25 € abgezogen:
8 € Arbeitnehmerbeiträge + 17 € Einkommensteuer = 25 €
Übrig bleiben 60 € Nettolohn.
Der Arbeitgeber zahlt jedoch insgesamt 100 €, weil zusätzlich 15 € oberhalb des Bruttogehalts anfallen.
Die gesamte Differenz zwischen den Arbeitskosten des Arbeitgebers und dem Nettolohn des Beschäftigten beträgt somit:
100 € − 60 € = 40 €
Das entspricht 40 % der gesamten Arbeitskosten.
Entscheidend ist jedoch: Das bedeutet keineswegs, dass der Arbeitnehmer 40 % Einkommensteuer zahlt. Die Differenz von 40 € umfasst Einkommensteuer, Arbeitnehmerbeiträge und Arbeitgeberbeiträge – und wird zudem an den gesamten Arbeitskosten des Arbeitgebers gemessen, nicht am Bruttogehalt.
In der Praxis sind Lohnabrechnungssysteme deutlich komplexer. Beitragsbemessungsgrenzen, steuerfreie Beträge, Familienleistungen und andere Regelungen können das Ergebnis erheblich verändern. Das Grundprinzip bleibt jedoch bestehen: Das Bruttogehalt entspricht nicht zwingend den vollständigen Arbeitskosten des Arbeitgebers, und die Einkommensteuer ist nur eine von mehreren Belastungen zwischen Arbeitskosten und Nettolohn.
Genau diese umfassendere Differenz soll der Tax Wedge abbilden.
Was der Tax Wedge tatsächlich misst
Der Tax Wedge geht über die klassische Gehaltsabrechnung hinaus.
Statt lediglich Einkommensteuer und Arbeitnehmerbeiträge zu betrachten, stellt er eine umfassendere Frage: Welcher Anteil der gesamten Arbeitskosten des Arbeitgebers kommt letztlich nicht als Nettolohn beim Arbeitnehmer an?
Nach Definition der OECD umfasst der Tax Wedge die persönliche Einkommensteuer sowie die Sozialversicherungsbeiträge von Arbeitnehmer und Arbeitgeber, abzüglich relevanter Geldleistungen. Die Summe wird anschließend ins Verhältnis zu den gesamten Arbeitskosten gesetzt. OECD, Taxing Wages 2026
Die Bemessungsgrundlage ist dabei entscheidend. Ein Tax Wedge von 50 % bedeutet nicht, dass 50 % des Bruttogehalts eines Arbeitnehmers auf der Gehaltsabrechnung verschwinden.
Tax Wedge vs. persönliche durchschnittliche Steuerbelastung
Am klarsten lässt sich der Unterschied verstehen, wenn man betrachtet, welche Ausgangsgröße jeweils verwendet wird.
Die OECD- Kennzahl Personal Average Tax Rate setzt persönliche Einkommensteuer und Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung ins Verhältnis zum Bruttolohn. Für einen alleinstehenden Arbeitnehmer ohne Kinder mit Durchschnittsverdienst betrug dieser Wert 2025 im OECD-Durchschnitt 25,1 %.
Der Tax Wedge für denselben Arbeitnehmer lag dagegen bei 35,1 % der gesamten Arbeitskosten. Der Grund: Hier werden zusätzlich die Arbeitgeberbeiträge berücksichtigt, und die Berechnung basiert auf einer breiteren Bemessungsgrundlage.
Die beiden Prozentwerte dürfen daher nicht einfach voneinander abgezogen werden, um daraus den Arbeitgeberanteil abzuleiten. Sie beziehen sich auf unterschiedliche Ausgangswerte. OECD, Taxing Wages 2026
| Kennzahl | Ausgangsbasis | Was wird erfasst? | Wofür ist sie sinnvoll? |
|---|---|---|---|
| Effektiver Einkommensteuersatz | Einkommen bzw. zu versteuerndes Einkommen | Tatsächlich gezahlte Einkommensteuer | Durchschnittliche Belastung durch Einkommensteuer verstehen |
| Personal Average Tax Rate | Bruttolohn | Einkommensteuer + Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung | Vergleich zwischen Bruttolohn und arbeitnehmerseitigen Steuern und Beiträgen |
| Tax Wedge | Gesamte Arbeitskosten | Einkommensteuer + Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, abzüglich relevanter Geldleistungen | Vergleich der gesamten steuerlichen Belastung von Beschäftigung |
Deshalb können zwei Quellen für dasselbe Land deutlich unterschiedliche „Steuersätze“ nennen, ohne dass eine der Zahlen zwangsläufig falsch ist. Häufig messen sie schlicht unterschiedliche Bestandteile des Steuer- und Abgabensystems.
Wie sich der Tax Wedge in Europa unterscheidet
Die OECD-Daten für 2025 zeigen erhebliche Unterschiede zwischen europäischen Ländern. Damit der Vergleich konsistent bleibt, basieren sämtliche Werte auf demselben standardisierten Arbeitnehmerprofil: alleinstehend, keine Kinder, Einkommen auf Höhe des nationalen Durchschnittslohns.
| Land | Tax Wedge 2025 |
|---|---|
| Belgien | 52,5 % |
| Deutschland | 49,3 % |
| Frankreich | 47,2 % |
| Italien | 45,8 % |
| Niederlande | 35,9 % |
| Dänemark | 35,8 % |
| Schweiz | 23,0 % |
| OECD-Durchschnitt | 35,1 % |
Quelle: OECD, Taxing Wages 2026 — Overview
Belgien zeigt besonders deutlich, warum die begriffliche Trennung wichtig ist. Ein Tax Wedge von 52,5 % bedeutet nicht, dass einem durchschnittlichen alleinstehenden Arbeitnehmer 52,5 % des Bruttogehalts abgezogen werden. Der Wert besagt vielmehr, dass die kombinierte Differenz aus Einkommensteuer sowie Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträgen im OECD-Modell 52,5 % der gesamten Arbeitskosten des Arbeitgebers entspricht.
Am anderen Ende dieser Vergleichsgruppe liegt die Schweiz mit einem Tax Wedge von 23,0 %. Dänemark liegt mit 35,8 % dagegen fast exakt im Bereich des OECD-Durchschnitts.
Das mag angesichts des Rufs Dänemarks als Hochsteuerland zunächst überraschen. Der Widerspruch löst sich jedoch schnell auf: Der Tax Wedge misst ausschließlich die steuerliche Belastung von Arbeit. Breitere Kennzahlen wie die Steuerquote gemessen am BIP erfassen dagegen die gesamten Steuereinnahmen einer Volkswirtschaft.
Die Tabelle eignet sich daher gut für einen Vergleich der Steuer- und Abgabenbelastung von Arbeit. Sie ist jedoch kein allgemeines Ranking darüber, welches europäische Land insgesamt die „höchsten Steuern“ erhebt.
Hinzu kommt das individuelle Steuerprofil. Ändern sich Einkommen, Familienstand oder verfügbare Steuervergünstigungen, kann sich auch der Tax Wedge innerhalb desselben Landes deutlich verändern.
Warum zwei Menschen mit demselben Gehalt unterschiedlich viel Steuern zahlen können
Dasselbe Bruttogehalt führt nicht zwangsläufig zur selben Steuerbelastung.
Familienstand, Kinder, abzugsfähige Ausgaben, Steuergutschriften und teilweise sogar der Wohnort innerhalb eines Landes können das Ergebnis beeinflussen. Nationale Durchschnittswerte eignen sich für grobe Vergleiche. Für die individuelle Steuerbelastung eines Haushalts reichen sie häufig nicht aus.
Der Familienstand kann den Tax Wedge deutlich verändern
Die OECD-Daten zeigen, wie groß die Unterschiede ausfallen können.
2025 lag der durchschnittliche OECD-Tax-Wedge für einen alleinstehenden Arbeitnehmer ohne Kinder mit 100 % des nationalen Durchschnittslohns bei 35,1 %. Bei einem verheirateten Alleinverdiener-Ehepaar mit zwei Kindern, bei dem der Hauptverdiener ebenfalls 100 % des nationalen Durchschnittslohns erzielt, sank der Wert auf 26,2 %. Familienbezogene Steuervergünstigungen und staatliche Geldleistungen gehören zu den Faktoren, die diese Differenz erklären. OECD, Taxing Wages 2026
In Deutschland fällt der Unterschied besonders deutlich aus. Nach dem OECD-Modell lag der Tax Wedge 2025 bei 49,3 % für einen alleinstehenden Arbeitnehmer ohne Kinder mit Durchschnittsverdienst. Für ein verheiratetes Alleinverdiener-Ehepaar mit zwei Kindern und demselben Durchschnittseinkommen des Hauptverdieners betrug er dagegen 34,9 %. OECD, Taxing Wages 2026: Germany
Ein ähnliches Muster zeigt Belgien. Dort betrug der Tax Wedge für den durchschnittlichen alleinstehenden Arbeitnehmer 2025 52,5 %, verglichen mit 36,9 % für das entsprechende verheiratete Alleinverdiener-Ehepaar mit zwei Kindern. OECD, Taxing Wages 2026: Belgium
Diese Zahlen sollten allerdings nicht als allgemeiner „Heiratsbonus“ interpretiert werden. Die OECD vergleicht konkrete Haushaltsprofile, bei denen sich mehrere Variablen gleichzeitig unterscheiden. Eine Ehe kann relevant sein – ebenso die Zahl der Kinder, die Einkommensverteilung zwischen den Partnern sowie nationale Steuervergünstigungen und Transferleistungen.
Freibeträge und Steuergutschriften verändern die Rechnung
Selbst zwei Arbeitnehmer innerhalb derselben gesetzlichen Steuerstufe können am Ende unterschiedlich hohe Steuerbeträge zahlen.
Der Grund liegt darin, dass der nominelle Steuersatz erst dann angewendet wird, wenn die steuerliche Bemessungsgrundlage bestimmt wurde. Unterschiedliche Formen von Steuerentlastungen greifen dabei an unterschiedlichen Stellen.
Ein Freibetrag oder eine abzugsfähige Position reduziert grundsätzlich das Einkommen, das in die Steuerberechnung einfließt. Eine Steuergutschrift setzt später an und reduziert direkt die berechnete Steuerschuld.
Angenommen, zwei Arbeitnehmer verdienen jeweils 60.000 € brutto. Einer kann einen Abzug von 5.000 € geltend machen, sodass lediglich 55.000 € in die Steuerberechnung einfließen. Eine andere Form der Entlastung könnte stattdessen aus einer Steuergutschrift von 1.000 € bestehen, die die berechnete Steuerlast direkt um 1.000 € reduziert, ohne das steuerpflichtige Einkommen zu verändern.
Wie wertvoll die jeweilige Entlastung tatsächlich ist, hängt von den nationalen Regeln ab. Das Grundprinzip ist jedoch eindeutig: Der gesetzliche Steuersatz allein bestimmt nicht die endgültige Steuerbelastung. Entscheidend sind ebenso Bemessungsgrundlage, Freibeträge, Abzüge und Steuergutschriften.
Deutschland verfügt beispielsweise über spezifische Steuer- und Leistungssysteme für Ehepaare und Familien mit Kindern. Das ist einer der Gründe, weshalb unterschiedliche OECD-Haushaltsprofile zu stark abweichenden Tax-Wedge-Werten führen können. OECD, Taxing Wages 2026: Germany
Auch der Wohnort innerhalb eines Landes kann entscheidend sein
Nationale Steuerregeln sind nicht immer die letzte Ebene.
Die Schweiz ist eines der deutlichsten europäischen Beispiele. Die persönliche Einkommensteuer wird dort auf Bundes-, Kantons- und Gemeindeebene erhoben. Die konkrete Steuerbelastung kann sich entsprechend je nach Wohnort unterscheiden. Kantone verfügen über unterschiedliche Tarife und Abzugsmöglichkeiten, während kommunale Steuerfüße eine weitere lokale Differenz schaffen können. Die Eidgenössische Steuerverwaltung veröffentlicht hierzu offizielle Informationen über kantonale und kommunale Regelungen. Swiss Federal Tax Administration, Tax Multipliers, Deductions and Tax Rates
Deshalb können zwei Personen mit vergleichbarem Einkommen und ähnlicher Familiensituation selbst innerhalb desselben Landes unterschiedliche Steuerbelastungen haben.
Nationale Durchschnittswerte reichen beim Vergleich der Steuerbelastung in Europa also nur bis zu einem gewissen Punkt. Das tatsächliche Ergebnis hängt nicht nur vom Einkommen ab, sondern ebenso vom Haushaltsprofil, verfügbaren Steuerentlastungen und dem konkreten Steuergebiet.
Hinzu kommt das Einkommensniveau. Denn die Belastung des nächsten zusätzlich verdienten Euro kann erheblich höher ausfallen als die durchschnittliche Steuerquote auf das bisherige Einkommen.
Warum ein höheres Einkommen zu einer höheren Grenzbelastung führen kann
Eine Gehaltserhöhung kann das verfügbare Einkommen insgesamt steigern und gleichzeitig dazu führen, dass die zusätzlichen Einkünfte erheblich stärker belastet werden als das bisherige Durchschnittseinkommen.
Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein Teil des zusätzlichen Einkommens kann in eine höhere Steuerstufe fallen, Sozialversicherungsbeiträge können steigen oder einkommensabhängige Steuergutschriften und Transferleistungen können reduziert werden.
Der marginale Tax Wedge betrachtet die nächste Gehaltserhöhung
Der Grenzsteuersatz zeigt, wie der nächste Teil des zu versteuernden Einkommens besteuert wird.
Der marginale Tax Wedge betrachtet dagegen ein breiteres Spektrum. Die OECD untersucht dabei, wie sich persönliche Einkommensteuer, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung, Lohnsteuern sowie relevante staatliche Geldleistungen verändern, wenn die gesamten Arbeitskosten leicht steigen. OECD, Taxing Wages 2026 — Effective Tax Rates on Labour Income
Für alleinstehende Arbeitnehmer ohne Kinder mit Durchschnittsverdienst wiesen einige europäische Länder 2025 besonders hohe marginale Tax-Wedge-Werte auf:
| Land | Marginaler Tax Wedge 2025 |
|---|---|
| Italien | 72,8 % |
| Belgien | 65,0 % |
| Österreich | 58,3 % |
| Frankreich | 58,2 % |
| Luxemburg | 57,4 % |
Diese Werte bedeuten ausdrücklich nicht, dass ein italienischer Arbeitnehmer einem Einkommensteuersatz von 72,8 % unterliegt. Sie erfassen im OECD-Modell die kombinierte Wirkung von Steuern, Sozialversicherungsbeiträgen und relevanten Veränderungen staatlicher Leistungen auf einen zusätzlichen Anstieg der gesamten Arbeitskosten.
Werden Steuergutschriften oder einkommensabhängige Leistungen bei steigendem Einkommen zurückgefahren, kann die marginale Belastung zusätzlich steigen. Der Arbeitnehmer zahlt dann nicht nur mehr Steuern auf sein zusätzliches Einkommen, sondern verliert möglicherweise gleichzeitig einen Teil zuvor gewährter Vergünstigungen.
So kann die Grenzbelastung steigen, obwohl sich der gesetzliche Einkommensteuersatz selbst gar nicht verändert hat.
Kalte Progression kann die Belastung erhöhen, ohne dass Steuersätze steigen
Steuersätze müssen nicht angehoben werden, damit Arbeitnehmer effektiv stärker belastet werden.
Von kalter Progression beziehungsweise „fiscal drag“ spricht man, wenn nominale Einkommen schneller steigen als Steuerstufen, Freibeträge oder Steuergutschriften angepasst werden. Dadurch fällt im Zeitverlauf ein größerer Teil des Einkommens in höhere Steuerbereiche, während steuerfreie Beträge und andere Vergünstigungen gemessen an den Löhnen real an Bedeutung verlieren.
Die OECD identifizierte diesen Effekt 2025 in mehreren Ländern. Im Vereinigten Königreich stieg der Tax Wedge für einen alleinstehenden Arbeitnehmer mit Durchschnittsverdienst um 2,45 Prozentpunkte. Einer der wichtigsten Gründe war die kalte Progression: Die Bruttoeinkommen stiegen, während persönliche Freibeträge und Schwellenwerte der Einkommensteuer unverändert blieben. Höhere Arbeitgeberbeiträge zur National Insurance verstärkten den Effekt zusätzlich. OECD, Taxing Wages 2026 — Overview
Deutschland verzeichnete für dasselbe OECD-Haushaltsprofil einen Anstieg von 1,34 Prozentpunkten. Höhere Beitragssätze in der Sozialversicherung spielten dabei eine wesentliche Rolle, während die Bruttolöhne zugleich stärker stiegen als die Anpassungen der persönlichen Einkommensteuergrenzen.
Für Arbeitnehmer ist die Konsequenz klar: Eine nominale Gehaltserhöhung kann den Nettolohn durchaus erhöhen. Vom zusätzlichen Brutto bleibt aber möglicherweise deutlich weniger übrig, als der bisherige durchschnittliche Steuersatz vermuten lässt.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass jemand durch das Überschreiten einer Steuerstufe insgesamt schlechtergestellt wird. Es bedeutet lediglich, dass zusätzliches Einkommen einer höheren Grenzbelastung unterliegen kann als das bereits erzielte Einkommen.
Sobald das Geld auf dem Konto angekommen ist, beginnt zudem eine weitere steuerliche Ebene – insbesondere durch Mehrwertsteuer und andere Konsumsteuern.
Mehrwertsteuer und die Steuern nach der Gehaltszahlung
Mit dem Eingang des Nettogehalts auf dem Bankkonto endet die steuerliche Belastung nicht.
Wird das verfügbare Einkommen anschließend ausgegeben, fällt auf viele Waren und Dienstleistungen Mehrwertsteuer an. Mehrwertsteuer ist allerdings eine andere Steuerart als Einkommensteuer oder Sozialversicherungsbeiträge. Die jeweiligen Prozentsätze dürfen deshalb nicht einfach addiert werden.
Innerhalb der EU legt jeder Mitgliedstaat seine Mehrwertsteuersätze im Rahmen der Mehrwertsteuerrichtlinie selbst fest. Der reguläre Satz muss mindestens 15 % betragen. Für bestimmte Waren und Dienstleistungen können zusätzlich ermäßigte, stark ermäßigte oder Nullsteuersätze gelten. European Commission, VAT Rates
Warum Einkommensteuer und Mehrwertsteuer nicht einfach addiert werden können
Angenommen, ein Arbeitnehmer startet mit einem Bruttoeinkommen von 100 € und erhält nach Einkommensteuer und Arbeitnehmerbeiträgen 70 € netto.
Nun wird unterstellt, dass die vollständigen 70 € für Waren ausgegeben werden, auf die hypothetisch ein Mehrwertsteuersatz von 25 % anfällt.
Es wäre irreführend, daraus folgende Rechnung abzuleiten:
30 % Abzüge vom Gehalt + 25 % Mehrwertsteuer = 55 % Gesamtsteuer
Denn beide Prozentsätze beziehen sich auf unterschiedliche Bemessungsgrundlagen und werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten erhoben.
Die Mehrwertsteuer wird auf den Nettopreis einer Ware berechnet, nicht auf das ursprüngliche Bruttogehalt des Arbeitnehmers. Kostet ein Produkt 125 € inklusive 25 % Mehrwertsteuer, beträgt der Nettopreis 100 € und die darin enthaltene Mehrwertsteuer 25 €.
Also:
125 € × 25 ÷ 125 = 25 €
Der gesetzliche Mehrwertsteuersatz entspricht 25 % des Nettopreises. Bezogen auf den vom Verbraucher tatsächlich gezahlten Endpreis beträgt der Steueranteil dagegen 20 %.
Die Europäische Kommission definiert die Bemessungsgrundlage der Mehrwertsteuer als den Betrag, auf den die Mehrwertsteuer berechnet wird – in der Regel also den Preis vor Hinzurechnung der Mehrwertsteuer. European Commission, VAT Taxable Amount
Auch deshalb sollte die Mehrwertsteuer nicht zusammen mit lohnbezogenen Steuern zu einem vermeintlichen einheitlichen „Gesamtsteuersatz“ addiert werden. Einkommensteuer und Sozialversicherungsbeiträge bestimmen zunächst, welcher Teil des Einkommens überhaupt beim Arbeitnehmer ankommt. Die Mehrwertsteuer beeinflusst anschließend die Kaufkraft dieses Nettolohns, wenn er konsumiert wird.
Außerdem geben Haushalte nicht jeden Euro auf dieselbe Weise aus. Ein Teil des Einkommens kann gespart oder investiert werden. Gleichzeitig unterliegen verschiedene Waren und Dienstleistungen je nach Produkt, Leistung und nationaler Regelung unterschiedlichen Standard-, ermäßigten oder Nullsteuersätzen. European Commission, VAT Rates
Mehrwertsteuer spielt damit sehr wohl eine Rolle für die Frage, was sich mit dem Nettogehalt tatsächlich kaufen lässt. Sie sollte jedoch getrennt von Kennzahlen zur Belastung des Faktors Arbeit betrachtet werden.
Diese Unterscheidung erklärt zugleich, weshalb Rankings über die vermeintlich „höchstbesteuerten Länder Europas“ zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen gelangen können.
Wie sich die Steuerbelastung europäischer Länder sinnvoll vergleichen lässt
Es gibt keinen einzelnen Prozentsatz, mit dem sich zweifelsfrei bestimmen lässt, welches europäische Land die „höchsten Steuern“ hat.
Die Antwort hängt davon ab, was überhaupt gemessen werden soll. Ein Land kann Arbeit stark besteuern und gleichzeitig insgesamt einen niedrigeren Anteil seiner Wirtschaftsleistung über Steuern abschöpfen – oder umgekehrt. Arbeitnehmer, Familien, Anleger und Grenzgänger können innerhalb desselben nationalen Steuersystems zudem vollkommen unterschiedliche Ergebnisse erzielen.
Ein sinnvoller Vergleich beginnt deshalb nicht mit einem prominenten Steuersatz, sondern mit der konkreten Fragestellung.
Tax Wedge vs. Steuerquote gemessen am BIP
Der Tax Wedge misst die steuerliche Belastung von Arbeit. Er berücksichtigt persönliche Einkommensteuer, Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung sowie gegebenenfalls lohnbezogene Steuern, abzüglich relevanter staatlicher Geldleistungen, und setzt diese ins Verhältnis zu den gesamten Arbeitskosten des Arbeitgebers.
Die Steuerquote gemessen am BIP verfolgt dagegen einen wesentlich breiteren Ansatz. Sie zeigt, wie hoch die gesamten Steuer- und Sozialbeitragseinnahmen einer Volkswirtschaft im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt ausfallen.
Beide Kennzahlen beantworten unterschiedliche Fragen und dürfen nicht miteinander verwechselt werden.
Die jüngsten Daten der Europäischen Kommission, veröffentlicht im März 2026 und bezogen auf das Jahr 2024, weisen für die EU-27 eine Steuerquote von 39,4 % des BIP aus. Dänemark lag mit 45,2 % an der Spitze, gefolgt von Frankreich mit 43,5 % und Österreich mit 43,4 %. European Commission, Data on Taxation Trends
Der OECD-Tax-Wedge Dänemarks für einen alleinstehenden Arbeitnehmer ohne Kinder mit Durchschnittsverdienst lag 2025 dagegen bei 35,8 %. Belgien kam auf deutlich höhere 52,5 %.
Das ist kein Widerspruch. Dänemarks Steuerquote gemessen am BIP beschreibt die gesamte steuerliche Belastung der Volkswirtschaft. Belgiens Tax Wedge bezieht sich dagegen auf die Besteuerung eines standardisierten Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Profils.
| Wenn Sie vergleichen möchten … | Beginnen Sie mit … |
|---|---|
| Nettogehalt aus einer Beschäftigung | Einkommensteuer + Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung |
| Gesamte steuerliche Belastung von Beschäftigung | Tax Wedge |
| Steuerbelastung auf zusätzliches Einkommen | Grenzsteuersatz / marginaler Tax Wedge |
| Gesamtumfang der Besteuerung einer Volkswirtschaft | Steuerquote gemessen am BIP |
| Kaufkraft nach Steuern | Nettoeinkommen, Konsumsteuern und Lebenshaltungskosten |
| Rendite aus Kapitalanlagen | Steuern auf Kursgewinne, Dividenden, Zinsen und sonstige Kapitalerträge |
Rankings, die Länder schlicht als „Hochsteuer-“ oder „Niedrigsteuerländer“ einstufen, ohne offenzulegen, welche Kennzahl verwendet wird, sollten deshalb mit Vorsicht betrachtet werden.
Grenzgänger und Expats benötigen einen anderen Vergleich
Wer grenzüberschreitend arbeitet oder seinen Wohnsitz verlagert, muss selbst bei einem sorgfältigen Gehaltsvergleich zunächst eine andere Frage beantworten: Welcher Staat darf das Einkommen überhaupt besteuern?
Eine einheitliche persönliche Einkommensteuer auf EU-Ebene existiert ebenso wenig wie ein universeller Test zur Bestimmung der steuerlichen Ansässigkeit. Den Ausgangspunkt bildet in der Regel das nationale Steuerrecht. Sind zwei Staaten betroffen, können bilaterale Doppelbesteuerungsabkommen festlegen, welchem Land bestimmte Besteuerungsrechte zustehen.
Das EU-Portal Your Europe weist darauf hin, dass der steuerliche Wohnsitz darüber entscheiden kann, ob ein Staat das weltweite Einkommen einer Person besteuert, während ein anderer Staat weiterhin bestimmte im eigenen Hoheitsgebiet erzielte Einkünfte besteuern darf. Your Europe, Income Taxes Abroad
Die bekannte 183-Tage-Regel spielt in vielen Konstellationen eine Rolle, ist aber keineswegs eine universelle Abkürzung zur Bestimmung der steuerlichen Ansässigkeit. Nationale Regelungen können zusätzlich prüfen, wo eine Person über eine ständige Wohnung verfügt, wo sie sich gewöhnlich aufhält oder wo der Mittelpunkt ihrer persönlichen und wirtschaftlichen Interessen liegt. Doppelbesteuerungsabkommen enthalten gegebenenfalls weitere sogenannte Tie-Breaker-Regeln, wenn zwei Staaten dieselbe Person als steuerlich ansässig betrachten.
Die Sozialversicherung muss separat geprüft werden. Der Staat, in dem eine Person sozialversichert ist, muss nicht zwangsläufig derselbe sein, der letztlich das Arbeitseinkommen besteuert. Auch die EU-Leitlinien unterscheiden ausdrücklich zwischen grenzüberschreitenden Steuerregeln und den Vorschriften über die Sozialversicherung. Your Europe, Double Taxation
Wer als Expat oder Grenzgänger lediglich die nominellen Einkommensteuersätze zweier Länder gegenüberstellt, bevor Steuerwohnsitz, Doppelbesteuerungsabkommen und Sozialversicherung geklärt sind, kann daher schnell zu falschen Schlussfolgerungen gelangen.
Anleger brauchen andere Steuerkennzahlen
Der Tax Wedge wurde für Arbeitseinkommen entwickelt. Für die steuerliche Behandlung eines Wertpapierdepots sagt er praktisch nichts aus.
Je nach Anlageklasse und Land sind stattdessen andere Fragen relevant:
- Kapitalertrag- beziehungsweise Veräußerungsgewinnsteuer;
- Dividendenbesteuerung;
- Besteuerung von Zinsen;
- Immobiliensteuern;
- Vermögensteuern, soweit vorhanden;
- Quellensteuern;
- Entlastungen aus Doppelbesteuerungsabkommen bei grenzüberschreitenden Investments.
Ein Land mit hoher Steuer- und Abgabenbelastung auf Arbeit muss nicht zwangsläufig auch Kapitalerträge besonders hoch besteuern.
Gerade bei einem geplanten Wohnsitzwechsel ist diese Unterscheidung zentral. Ein Arbeitnehmer mit überwiegend laufendem Gehalt, ein Anleger, der größtenteils von Dividenden lebt, und ein Unternehmer, der den Verkauf seines Unternehmens vorbereitet, können im selben Land vollkommen unterschiedliche steuerliche Ergebnisse erzielen.
Ein praxisnaher Rahmen für den Vergleich zweier Länder
Für die meisten realistischen Steuervergleiche ist es wenig sinnvoll, mit dem höchsten Einkommensteuersatz zu beginnen. Aussagekräftiger ist folgende Reihenfolge:
| Schritt | Was sollte verglichen werden? | Warum ist es wichtig? |
|---|---|---|
| 1 | Bruttogehalt für eine vergleichbare Tätigkeit | Schafft eine vergleichbare Einkommensbasis |
| 2 | Einkommensteuer und Arbeitnehmerbeiträge | Zeigt, welche Abzüge das Bruttogehalt reduzieren |
| 3 | Nettogehalt | Zeigt, welcher Betrag tatsächlich beim Arbeitnehmer ankommt |
| 4 | Arbeitgeberbeiträge und gesamte Arbeitskosten | Zeigt die breitere steuerliche Belastung der Beschäftigung |
| 5 | Haushaltsprofil und verfügbare Steuervergünstigungen | Ehe, Kinder, Freibeträge und Leistungen können das Ergebnis erheblich verändern |
| 6 | Regionale und lokale Steuerregeln | Nationale Steuersätze erzählen nicht immer die ganze Geschichte |
| 7 | Konsumsteuern und Lebenshaltungskosten | Zeigt, was sich mit dem Nettogehalt tatsächlich kaufen lässt |
| 8 | Steuerwohnsitz, Doppelbesteuerungsabkommen und Sozialversicherung | Für Expats und Grenzgänger unverzichtbar |
| 9 | Besteuerung von Investments und Immobilien | Relevant, wenn Einkommen nicht überwiegend aus Arbeit stammt |
Die Annahmen sollten dabei konsistent bleiben. Länder sollten anhand desselben Jahres, eines vergleichbaren Einkommens und desselben Haushaltsprofils gegenübergestellt werden.
Ein Spitzensteuersatz aus einem Land und ein durchschnittlicher Tax Wedge aus einem anderen können jeweils vollkommen korrekte Zahlen sein. Direkt nebeneinandergestellt ergeben sie dennoch keinen sinnvollen Vergleich.
Die richtige Kennzahl hängt daher immer von der konkreten Entscheidung ab. Wer zwei Jobangebote vergleicht, sollte sich auf Nettogehalt und die Besteuerung von Arbeit konzentrieren. Für Grenzgänger und international mobile Fachkräfte sind zunächst Steuerwohnsitz, Doppelbesteuerungsabkommen und Sozialversicherung entscheidend. Anleger benötigen wiederum eine separate Analyse der Steuern auf Kapitalanlagen und Vermögenswerte.
Ein einzelner Prozentsatz kann all das nicht abbilden. Aussagekräftiger ist die Frage: Wie viel vom Gehalt oder sonstigen Einkommen bleibt nach den Steuern und Abgaben übrig, die in der konkreten Situation tatsächlich relevant sind?
Fazit
Der höchste Einkommensteuersatz eines Landes ist nur selten die Zahl, die tatsächlich zeigt, wie viel ein Arbeitnehmer zahlen muss.
Wer die reale Belastung von Arbeitseinkommen verstehen möchte, muss das gesamte System betrachten: progressive Steuerstufen, Sozialversicherungsbeiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern, familienbezogene Entlastungen, regionale Besonderheiten sowie den Unterschied zwischen durchschnittlicher und marginaler Besteuerung.
Für Arbeitnehmer ist der Tax Wedge häufig eine der sinnvollsten standardisierten Vergleichsgrößen, weil er die Differenz zwischen den gesamten Arbeitskosten eines Unternehmens und dem Nettolohn des Beschäftigten erfasst. Ein persönlicher Steuerrechner ist er trotzdem nicht. Einkommen, Familienstand, steuerlicher Wohnsitz und staatliche Leistungen können das tatsächliche Ergebnis erheblich verändern.
Dasselbe gilt für internationale Vergleiche. Ein hoher Spitzensteuersatz bedeutet nicht automatisch die höchste Steuerbelastung von Arbeit. Und eine hohe Steuerquote gemessen am BIP zeigt nicht, welcher Anteil des Bruttogehalts eines einzelnen Arbeitnehmers tatsächlich verloren geht.
Die bessere Frage lautet deshalb nicht einfach:
„Wie hoch ist der Steuersatz?“
Sondern:
„Welche Steuern und Abgaben gelten für dieses Einkommen, auf welcher Bemessungsgrundlage werden sie berechnet – und wie viel bleibt danach tatsächlich übrig?“
FAQ
Welches europäische Land hat den höchsten Einkommensteuersatz?
Eine eindeutige Antwort gibt es nur dann, wenn zunächst festgelegt wird, was unter „Einkommensteuersatz“ verstanden wird.
Nominelle Spitzensteuersätze können in einigen Ländern nationale, regionale oder kommunale Steuern enthalten, während vergleichbare Komponenten in anderen Statistiken fehlen. Zudem gelten Spitzensteuersätze in progressiven Systemen nur für Einkommen oberhalb bestimmter Schwellenwerte.
Für Arbeitnehmer, die Länder miteinander vergleichen möchten, sind der Tax Wedge, der effektive Einkommensteuersatz und der tatsächliche Nettolohn daher meist aussagekräftiger als der nominelle Spitzensteuersatz allein.
Was ist der Unterschied zwischen Tax Wedge und Einkommensteuersatz?
Ein Einkommensteuersatz bezieht sich ausschließlich auf die Einkommensteuer. Der Tax Wedge umfasst dagegen ein breiteres Spektrum lohnbezogener Steuern und Pflichtbeiträge.
Nach der OECD-Definition umfasst er persönliche Einkommensteuer, Sozialversicherungsbeiträge von Arbeitnehmer und Arbeitgeber sowie gegebenenfalls weitere lohnbezogene Steuern, abzüglich relevanter Geldleistungen. Gemessen wird die Belastung an den gesamten Arbeitskosten des Arbeitgebers.
Ein Tax Wedge von 50 % bedeutet daher nicht, dass der Arbeitnehmer 50 % Einkommensteuer zahlt.
Wird mein gesamtes Einkommen höher besteuert, sobald ich in eine höhere Steuerstufe komme?
Nein. In einem progressiven Einkommensteuersystem gilt der höhere Steuersatz normalerweise nur für den Teil des zu versteuernden Einkommens oberhalb des jeweiligen Schwellenwerts.
Beginnt beispielsweise eine Steuerstufe von 40 % bei 50.000 € und steigt das zu versteuernde Einkommen auf 51.000 €, wird grundsätzlich nur der Betrag oberhalb von 50.000 € mit dem höheren Satz besteuert.
Die Gesamtbelastung kann dennoch steigen, etwa durch höhere Sozialversicherungsbeiträge oder den Wegfall von Freibeträgen, Steuergutschriften oder staatlichen Leistungen.
Warum können zwei Menschen mit demselben Gehalt unterschiedlich viel Steuern zahlen?
Dasselbe Bruttogehalt kann zu unterschiedlichen Steuerbeträgen führen, weil Steuersysteme weit mehr als lediglich die Einkommenshöhe berücksichtigen.
Ehe, Kinder, abzugsfähige Ausgaben, Steuergutschriften, staatliche Leistungen und lokale Steuerregeln können das Ergebnis beeinflussen. In Ländern mit regionaler oder kommunaler Besteuerung kann sogar der konkrete Wohnort relevant sein.
Bei Grenzgängern kommen zusätzlich der steuerliche Wohnsitz, Doppelbesteuerungsabkommen und die Regeln zur Sozialversicherung hinzu.
Ist die Mehrwertsteuer im Tax Wedge enthalten?
Nein. Die Mehrwertsteuer ist eine Konsumsteuer und gehört nicht zum OECD-Tax-Wedge.
Der Tax Wedge misst Steuern und Pflichtbeiträge, die unmittelbar mit Beschäftigung verbunden sind. Mehrwertsteuer fällt dagegen erst später an, wenn das bereits versteuerte Nettoeinkommen für steuerpflichtige Waren und Dienstleistungen ausgegeben wird.
Da Einkommensteuern und Mehrwertsteuer auf unterschiedlichen Bemessungsgrundlagen beruhen, sollten ihre nominellen Prozentsätze nicht einfach addiert werden, um daraus einen vermeintlichen „Gesamtsteuersatz“ abzuleiten.
Matias Buće verfügt über eine formale Ausbildung im Verwaltungsrecht und mehr als zehn Jahre Erfahrung in der Analyse globaler Märkte, des Forex-Handels und persönlicher Finanzplanung. Sein juristischer Hintergrund prägt seinen Ansatz beim Investieren – mit einem Fokus auf Regulierung, Struktur und Risikomanagement. Bei Finorum schreibt er über ein breites Spektrum an Finanzthemen, von europäischen ETFs bis hin zu praktischen Strategien der persönlichen Finanzplanung für alltägliche Anleger.
Sources & References
EU regulations & taxation
- Estv.admin.ch — Swiss Federal Tax Administration, Tax Multipliers, Deductions and Tax Rates
- European Commission / Taxation & Customs — European Commission, Data on Taxation Trends
- European Commission, VAT Rates
- European Commission, VAT Taxable Amount
- Your Europe, Double Taxation
- Your Europe, Income Taxes Abroad
- Oecd.org — OECD, Taxing Wages 2026
- OECD, Taxing Wages 2026 — Effective Tax Rates on Labour Income
- OECD, Taxing Wages 2026 — Overview
- OECD, Taxing Wages 2026: Belgium
- OECD, Taxing Wages 2026: Germany





