Young investor reviewing a €100 monthly investing budget at a home office desk

Reichen 100 Euro im Monat zum Investieren? Worauf es vor dem Einstieg ankommt

Reichen 100 Euro im Monat überhaupt, um mit dem Investieren anzufangen?

Die Frage liegt nahe, wenn nach Miete, Einkäufen und Versicherungen kein großer Betrag übrig bleibt. Wer 100 Euro im Monat investieren möchte, muss allerdings mehr betrachten als die Sparrate: Wofür ist das Geld gedacht? Wie lange kann es angelegt bleiben? Welche Verluste wären verkraftbar? Und wie viel geht für Gebühren drauf?

Für manche Wertpapierkäufe reichen 100 Euro durchaus aus. Ob die monatliche Anlage zum eigenen Budget passt und für ein bestimmtes Ziel genügt, ist eine andere Frage. Gerade bei kleinen Beträgen lohnt sich ein genauer Blick auf die Bedingungen.

Sind 100 Euro genug, um anzufangen?

Bei verschiedenen Banken und Brokern lassen sich Wertpapiere auch mit kleinen Beträgen kaufen. Wie viel mindestens nötig ist, hängt vom Anbieter, vom Handelsplatz und vom jeweiligen Produkt ab.

Dabei sind drei Dinge zu unterscheiden: die Mindesteinzahlung auf das Konto, der Mindestbetrag für eine einzelne Order und die Mindestsparrate eines Sparplans. Diese Grenzen müssen nicht identisch sein.

Auch macht es einen Unterschied, ob einmalig 100 Euro angelegt werden oder jeden Monat weitere 100 Euro hinzukommen. Regelmäßige Einzahlungen ergeben nach einem Jahr 1.200 Euro, nach fünf Jahren 6.000 Euro. Das sind ausschließlich die eingezahlten Beträge – ohne Kursgewinne, Verluste, Kosten oder Steuern.

Eine mögliche erste Order ist noch kein vollständiger Finanzplan. Ob 100 Euro monatlich für ein konkretes Ziel ausreichen, hängt auch vom gewünschten Betrag und vom verfügbaren Zeitraum ab.

Zunächst stellt sich die Frage, ob das Geld tatsächlich übrig ist. Muss eine unerwartete Reparatur durch den Verkauf von Wertpapieren bezahlt werden, könnte dieser Verkauf ausgerechnet bei niedrigen Kursen nötig werden. Rücklagen, Schulden und Anlageziele gehören deshalb zu den grundlegenden Fragen vor der Geldanlage. Verbraucherzentrale: Das kleine Einmaleins der Geldanlage.

Warum Gebühren bei kleinen Beträgen besonders ins Gewicht fallen

Fünf Euro Ordergebühr klingen zunächst überschaubar. Bei einer Anlage von 100 Euro entsprechen sie jedoch bereits fünf Prozent des Anlagebetrags.

Ein einfaches Rechenbeispiel zeigt den Unterschied:

AnlagebetragOrdergebührAnteil am Anlagebetrag
100 Euro5 Euro5 %
10.000 Euro5 Euro0,05 %

Die Gebühr ist gleich hoch. Ihr prozentuales Gewicht ist beim kleinen Kauf aber hundertmal größer. Das Beispiel dient nur der Veranschaulichung; tatsächliche Gebühren unterscheiden sich je nach Anbieter und Produkt.

Stehen insgesamt 100 Euro zur Verfügung und werden davon fünf Euro Gebühren abgezogen, bleiben 95 Euro für den Wertpapierkauf. Bei zwölf Käufen im Jahr würden allein diese Ordergebühren 60 Euro ausmachen.

Das bedeutet nicht, dass höhere Anlagebeträge automatisch sinnvoller sind. Es zeigt, warum feste Gebühren zur geplanten Sparrate passen müssen.

Welche Kosten gehören in den Vergleich?

Im Preis- und Leistungsverzeichnis können verschiedene Positionen auftauchen:

  • Ordergebühren: Entgelte für Käufe und Verkäufe, als fester Betrag oder Prozentsatz, teilweise mit einer Mindestgebühr.
  • Sparplangebühren: Kosten je Ausführung, die von den Konditionen eines Einzelkaufs abweichen können.
  • Fremdwährungskosten: Gebühren oder Wechselkursaufschläge bei einer Währungsumrechnung.
  • Spreads: Die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs. Sie verursacht Handelskosten, auch ohne gesonderte Provision.
  • Depot- und Kontogebühren: Beispielsweise laufende Entgelte oder Kosten bei Inaktivität, soweit vorgesehen.
  • Produktkosten und weitere Entgelte: Etwa laufende Fondskosten, Handelsplatzentgelte oder bestimmte Zahlungsgebühren.

Nicht jeder Anbieter berechnet jede Position. Eine rein prozentuale Gebühr belastet kleine Käufe auch nicht automatisch stärker. Entscheidend sind häufig feste Entgelte und Mindestgebühren.

Laufende Fondskosten werden üblicherweise im Fondsvermögen berücksichtigt. Sie müssen deshalb nicht als separate Abbuchung erscheinen. Angaben dazu stehen unter anderem im Basisinformationsblatt. Verbraucherzentrale: Kosten und Provisionen prüfen.

Was bedeutet „0 % Provision“ wirklich?

Keine Orderprovision zu zahlen, kann einen Kostenpunkt beseitigen. Daraus folgt jedoch nicht, dass die gesamte Geldanlage kostenlos ist.

Für den Vergleich hilft es, die Gebührenmodelle auseinanderzuhalten:

GebührenmodellWorauf es ankommt
Keine OrderprovisionWelche Aufträge sind erfasst? Gibt es Einschränkungen, Währungsumrechnungskosten oder weitere Entgelte?
Feste OrdergebührWelchen Anteil macht sie an einer 100-Euro-Order aus? Was kosten mehrere kleine Käufe?
Prozentuale OrdergebührWie hoch ist der Satz? Verteuert eine Mindestgebühr kleine Aufträge?

Diese Modelle können sich überschneiden. Provisionsfreie Käufe können beispielsweise auf ausgewählte Wertpapiere, bestimmte Ausführungswege oder ein festgelegtes Handelsvolumen begrenzt sein.

Auch eine gebührenfreie Sparplanausführung sagt zunächst nur etwas über den regelmäßigen Kauf aus. Für einen späteren Verkauf können andere Konditionen gelten. Spreads und laufende Produktkosten können ebenfalls bestehen bleiben.

Entscheidend ist deshalb das vollständige Preis- und Leistungsverzeichnis. Bei einer monatlichen Anlage von 100 Euro zählt, welche Kosten beim Kauf, während der Haltedauer und beim späteren Verkauf insgesamt entstehen.

Ein praktischer Vergleich beginnt mit einem konkreten Fall: ein Kauf über 100 Euro pro Monat, das gewünschte Wertpapier und die dafür benötigte Währung. So werden Unterschiede greifbarer als durch den Vergleich einzelner Werbeaussagen.

Was ist bei 100 Euro im Monat sonst noch wichtig?

Anlageziel und Zeithorizont

Geld für eine Ausgabe in zwei Jahren erfüllt einen anderen Zweck als Geld für einen langfristigen Vermögensaufbau. Entsprechend unterschiedlich ist der Spielraum für Kursschwankungen.

Ein langer Anlagezeitraum garantiert keine Gewinne. Er verändert aber, wie dringend das Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügbar sein muss. Zur Risikobereitschaft gehört auch die finanzielle Fähigkeit, Verluste auszuhalten.

Risikostreuung statt bloßer Anzahl

Mehrere Wertpapiere bedeuten nicht automatisch eine breite Streuung. Fünf Aktien aus derselben Branche können stark von denselben Entwicklungen abhängen.

Auch bei einem ETF kommt es darauf an, welche Anlagen enthalten sind. Ein weltweit ausgerichteter Fonds und ein enger Branchenfonds verteilen Risiken unterschiedlich. Die Bezeichnung „ETF“ allein sagt darüber wenig aus. Verbraucherzentrale: Vorteile und Nachteile von ETFs.

Sparplan, Einzelkauf und Bruchstücke

Ein Sparplan führt Käufe regelmäßig nach festgelegten Vorgaben aus. Ein monatlicher Einzelkauf wird jeweils selbst beauftragt. Für beide Wege können unterschiedliche Preise und Mindestbeträge gelten.

Kostet ein ganzer Anteil mehr als 100 Euro, kann der Erwerb von Bruchstücken relevant werden. Ob das möglich ist und welche Regeln für Verkauf oder Übertragung gelten, muss beim Anbieter geprüft werden.

Monatlich oder seltener kaufen?

Drei Käufe über jeweils 100 Euro kosten bei fünf Euro je Order insgesamt 15 Euro. Ein Kauf über 300 Euro kostet bei derselben festen Gebühr fünf Euro.

Wer Geld zunächst sammelt, investiert allerdings später. In der Zwischenzeit können Kurse steigen oder fallen. Weniger Käufe sind deshalb keine pauschal bessere Strategie. Bei prozentualen Gebühren ohne Mindestentgelt entsteht durch das Zusammenlegen nicht derselbe Kostenvorteil.

Steuern in Deutschland

Für in Deutschland Steuerpflichtige können Dividenden, Veräußerungsgewinne und bei Investmentfonds eine Vorabpauschale relevant sein. Letztere kann auch ohne Verkauf anfallen. Bundesfinanzministerium: Investmentsteuer.

Der Sparer-Pauschbetrag beträgt grundsätzlich 1.000 Euro pro Person beziehungsweise 2.000 Euro bei zusammen veranlagten Ehepaaren oder eingetragenen Lebenspartnern. Er bezieht sich auf Kapitalerträge, nicht auf Einzahlungen. Ein Freistellungsauftrag kann verhindern, dass ein entsprechendes Institut innerhalb des verfügbaren Betrags Kapitalertragsteuer einbehält. Berliner Finanzverwaltung: Freistellungsaufträge.

Beim Depotvergleich gehört deshalb die Frage dazu, welche steuerlichen Aufgaben der Anbieter übernimmt und welche Unterlagen er bereitstellt. Eine kleine Sparrate bedeutet nicht automatisch, dass steuerlich nichts zu beachten ist.

Ein kleiner Anlagebetrag bedeutet nicht automatisch ein kleines Risiko

100 Euro in eine stark schwankende Einzelaktie und 100 Euro in einen breit gestreuten Fonds können unterschiedliche Risiken mit sich bringen.

Bei der Einzelaktie hängt viel von einem Unternehmen ab. Ein breit gestreuter Fonds verteilt diese Abhängigkeit auf mehrere Anlagen. Verluste sind bei beiden möglich; auch breite Streuung schützt nicht vor allgemeinen Markteinbrüchen.

Ein hypothetischer Kursverlust von 30 % macht aus 100 Euro einen Wert von 70 Euro, vor Kosten. Der Verlust in Euro fällt bei einer kleinen Position geringer aus, der prozentuale Rückgang bleibt derselbe.

Regelmäßige Einzahlungen machen ein riskantes Produkt nicht sicherer. Außerdem wächst mit weiteren Käufen der insgesamt angelegte Betrag.

Checkliste vor der ersten Anlage

Diese Fragen helfen, die geplante Geldanlage konkret zu prüfen:

  • Wie viel kann ich regelmäßig zurücklegen, ohne bei notwendigen Ausgaben ins Minus zu geraten?
  • Gibt es eine Rücklage für unerwartete Rechnungen?
  • Wann könnte ich das angelegte Geld wieder benötigen?
  • Welches Ziel verfolge ich?
  • Verstehe ich das Produkt und seine Verlustrisiken?
  • Wie breit ist die Anlage gestreut?
  • Was kosten Kauf, Halten und Verkauf insgesamt?
  • Welche Mindesteinzahlungen, Ordergrößen und Sparraten gelten?
  • Welche Wertpapiere und Sparpläne sind verfügbar?
  • Wie funktionieren Ein- und Auszahlungen?
  • Welche Gesellschaft ist mein Vertragspartner, und welche Aufsichtsbehörde ist zuständig?
  • Fallen Währungsumrechnungskosten an?
  • Was passiert, wenn ich mehrere Monate nicht weiter investiere?
  • Welche steuerlichen Aufgaben übernimmt der Anbieter?

Bei der Anbieterprüfung zählt der vollständige Unternehmensname. Die BaFin verweist zur Prüfung ihrer Aufsicht unter anderem auf ihre Unternehmensdatenbank. BaFin: Informationen zur zuständigen Aufsicht.

Häufige Fragen zum Investieren mit 100 Euro

Muss ich jeden Monat genau 100 Euro investieren?

Nein. Bei selbst beauftragten Einzelkäufen wird der Betrag jeweils neu festgelegt. Bei einem Sparplan hängen Änderungen und Pausen von den Bedingungen des Anbieters ab. Laufende Depot- oder Produktkosten können auch während einer Pause weiter anfallen.

Kann ich die 100 Euro auf mehrere Anlagen aufteilen?

Das hängt von den Mindestbeträgen und verfügbaren Produkten ab. Mehrere Käufe können zusätzliche feste Gebühren auslösen. Ob dadurch eine bessere Risikostreuung entsteht, richtet sich nach den tatsächlichen Anlagen und ihren Überschneidungen.

Wie viel Geld habe ich nach zehn Jahren?

Bei durchgehend 100 Euro monatlich wären 12.000 Euro eingezahlt. Der spätere Depotwert lässt sich daraus nicht vorhersagen. Er hängt von der Wertentwicklung, den Kosten und gegebenenfalls Steuern ab und kann unter den Einzahlungen liegen.

Fazit: 100 Euro können für den Einstieg reichen

100 Euro im Monat sind nicht grundsätzlich zu wenig. Sie sind aber auch nicht automatisch genug für jedes Anlageziel.

Entscheidend ist, worin das Geld angelegt wird, wie lange es angelegt bleiben kann, welche Risiken bestehen und wie breit die Anlage gestreut ist. Bei kleinen Sparraten verdienen die Gesamtkosten besondere Aufmerksamkeit: Schon wenige Euro pro Auftrag können einen spürbaren Teil der Einzahlung ausmachen.

Vor der Wahl eines Depots lohnt es sich deshalb, die Gebühren, verfügbaren Produkte, zuständige Aufsicht und Vertragsbedingungen mehrerer Anbieter zu vergleichen.


Haftungsausschluss: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Finanzinstrumente dar. Wertpapieranlagen sind mit Risiken verbunden; ein Verlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Die steuerliche Behandlung hängt von den persönlichen Verhältnissen ab und kann sich ändern. Gebühren und Konditionen können je nach Anbieter, Kontoart und Produkt variieren. Maßgeblich sind die jeweils aktuellen Vertragsunterlagen und Preisverzeichnisse.

Iva Buće ist Wirtschaftswissenschaftlerin aus Kroatien mit Schwerpunkt auf digitalem Marketing und Logistik. Sie verbindet analytische Genauigkeit mit kreativer Kommunikation, um Themen wie Investieren und Finanzbildung verständlich zu machen. Bei Finorum schreibt sie über Finanzen, Märkte und den Einfluss von Technologie auf Anlagestrends in Europa.

Sources & References

Additional educational resources

trading.com
→ Index
Nach oben scrollen